Felix Holzhüter über Seniorengold, Glück, Luxus, Vorbilder/Idole, Euskirchen, Hobbys, geplante Bücher, Senioren und Gold


Romandebüt und sonst so?

FH: (lacht) – Jut und selbst so?

Auch sehr gut, danke der Nachfrage. Spaß bei Seite… Thema Seniorengold. Wie kommt man dazu einen Roman zu schreiben?

(lacht wieder) – Um ehrlich zu sein bin ich da so rein gestolpert. Wie auch schon in meiner Autorenvita zu lesen ist, habe ich 2011 mein Abitur gemacht und wollte anfangs Zahnmedizin studieren. Nachdem mir klar wurde, dass mein Notenschnitt einfach nicht für Zahnmedizin ausreicht und mir das bloße Sammeln von Wartesemestern zu langweilig wurde (seitdem sage ich mir die ganze Zeit, Noten sagen nichts über wahre Intelligenz aus – Dissonanzauflösung und so), beschloss ich Anfang 2012 bei einem wunderschönen Abendessen mit meinen Eltern ein Buch zu schreiben. Zudem hat mich aber auch schon immer die physische Attraktivität eines Buches angesprochen und so verspürte ich oft das Verlangen auch mal ein Buch zu schreiben.

Wenn Seniorengold ein Musikinstrument wäre, welches wäre es dann und warum in Gottes Namen heißt ausgerechnet dein Protagonist Felix?

(lacht erneut) – Hör mal, denkst du dir die Fragen eigentlich spontan aus oder hast du dich auf dieses Interview vorbereitet?

Natürlich letzteres!

Dann bin ich ja beruhigt… wenn Seniorengold ein Musikinstrument wäre, dann wäre es irgendetwas zwischen Grammophon und Vuvuzela (schmunzelt). Und jetzt zu deiner zweiten Frage in der Frage. Ich formuliere es mal so: Einige denken bestimmt ›Ist bestimmt ne Autobiographie‹, andere wiederrum denken bestimmt ›Boa ist der selbstverliebt‹ und ich kann guten Gewissens sagen, dass ich den Namen Felix bewusst ausgesucht habe, da er mir erstens wirklich gut als Name gefällt und weil seine Bedeutung „der Glückliche“ oder der „vom Glück begünstigte“ eine große Rolle in dem Buch spielt und auch sehr gut in die Story passt.

Was ist Seniorengold für ein Genre und welche Zielgruppe möchtest du gezielt mit deinem Werk ansprechen?

Ganz nüchtern betrachtet ist Seniorengold pure Unterhaltungsliteratur. Unterhaltungsliteratur mit Comedy-Einflüssen. Gut, um am Strand gelesen zu werden. Deswegen sehe ich Seniorengold eher als Strandbuch. Geht also auch als Urlaubslektüre durch. Seniorengold kann man aber auch gut woanders lesen. Im Geldspeicher oder beim Kaffeeklatsch mit Opa und Oma zum Beispiel. Die Zielgruppe hingegen ist da eindeutig definierbarer: Alle Menschen, die im Geiste jung geblieben sind, den skurrilen Humor lieben und meinen, dass eine Prise Sarkasmus das Leben würziger macht.

In Seniorengold geht es auch irgendwie immer um Glück. Was ist Glück für dich?

Glück ist meiner Meinung nach sehr schwer zu definieren. Da viele Faktoren mit Glück einhergehen und zusammenhängen, kann das Substantiv Glück grundsätzlich nicht pauschalisiert werden. Mein ganz persönliches Glück sind allerdings ganz klar meine Eltern, die mich überall unterstützen, immer hinter mir stehen und mir jederzeit Ratschläge geben, wenn ich welche brauche. Ganz wichtig auch unsere Labradordamen, die auch dann noch freudig mit ihrem Schwanz wedeln, selbst wenn man irgendeinen Scheiß gebaut hat. Der Umstand, dass wir alle gesund sind und im richtigen Land geboren sind, ist ebenfalls von großer Bedeutung, wenn man über Glück spricht. Ach so… mein Glückspegel steigt übrigens auch immer ganz drastisch an, wenn meine geliebte Borussia den FC abschießt.

Auch Luxus spielt eine Rolle in Seniorengold. Was ist Luxus für dich und glaubst du, dass Luxus von vielen skeptisch oder gar neidvoll betrachtet wird?

Auf alle Fälle. Das Thema Luxus mit seinen ganzen Facetten und Betrachtungsweisen ist ein sehr schwieriges. Ich persönlich sehe Luxus als etwas durchgängig Positives an. Wenn ich jemanden mit einer Gold Rolex sehe oder jemand neben mir an der roten Ampel in einem 460 PS Maserati Monster sitzt, dann bin ich der erste, der den Daumen hebt und »Cool!« sagt, weil ich das dann auch wirklich so empfinde. Viele sagen hingegen »Was für ein Arschloch«. Andere wiederrum meinen, Menschen mit Nobelkarossen um bei diesem Beispiel zu bleiben, müssten sich zwanghaft profilieren oder damit irgendetwas kompensieren. Und selbst wenn… ja und? Negativer Neid ist nicht gut und Menschen, die diesen verspüren, die haben Probleme, und nicht die, die sich Luxuskarossen kaufen, um sich vielleicht und rein hypothetisch damit abzulenken versuchen oder damit zu prahlen. Für mich persönlich ist Luxus morgens nicht all zu früh aufstehen zu müssen, bei warmen Temperaturen im Garten zu liegen und Cappuccino zu trinken und jeden Freitagmittag mit meinen Eltern essen zu gehen. Und natürlich der 911 in der Garage (lacht sich schlapp und kriegt sich nicht mehr ein).

Zwei Stichworte. Vorbilder und Idole.

Sportlich, musikalisch, allgemein?

War eigentlich literarisch gemeint, du kannst aber auch gerne andere Vorbilder/Idole nennen.

Sportlich ganz klar Cristiano Ronaldo und Sergio Ramos. Ersterer ist eindeutig der beste Fußballer der Welt und aller Zeiten.

Sicher?!

Ich weiß, ich weiß, die einen applaudieren jetzt, die anderen sagen »So ein Quatsch. Der Argentinier ist besser«. Im Endeffekt ist das wie bei allem, eine Glaubenssache. Ich sehe in dieser Beziehung auf alle Fälle portugiesisch… Fußball im Allgemeinen ist einfach Ekstase pur. König Fußball halt. Musikalisch würde ich nicht von Vorbildern oder Idolen reden. Ich höre gerne Chris Brown, Sido, Shindy, finde Cro auch gut. Die Konzerte von Sido, die ich mit meiner Mum regelmäßig in Köln besuche, sind auf alle Fälle immer ein musikalisches Highlight und à la bonne heure. Wirkliche Vorbilder als Autor habe ich auch nicht. Ich möchte einfach was Eigenes machen und ich glaube, dass ist mir mit Seniorengold auch ganz gut gelungen. Zu nennen sind jedoch auf alle Fälle Tommy Jaud mit Hummeldumm und Philipp Reinartz mit Katerstimmung. Zuletzt wirklich geflasht hat mich das Buch »Die Eismacher« von Ernest van der Kwast.

Große Teile aus Seniorengold spielen in Euskirchen. Was für einen Bezug hast du zu Euskirchen, wie ist dein Verhältnis zu dieser Stadt?

Euskirchen ist Heimat pur für mich. Meine Eltern sind hier aufgewachsen. Ich bin hier aufgewachsen. Bin hier zur Schule gegangen. Habe hier so viele Tore auf dem Bolzplatz geschossen (lacht). Um es auf den Punkt zu bringen: Ich liebe Euskirchen. Ich möchte Ehrenbürger der Stadt werden, nur deshalb habe ich Seniorengold geschrieben (lacht). Nein, so ein Quatsch. Euskirchen ist einfach zuhause und wird es auch immer bleiben.

Viele sagen Euskirchen nach, die Stadt sei ein hartes Pflaster und auch du sagst, man könne Euskirchen durchaus mit Klein-Chicago vergleichen?

Auf diese Fragen antworte ich immer mit »Das sind alles gute Jungs in Euskirchen« oder »Abends am Bahnhof und in den Parks muss man einfach schneller sein«. Dabei möchte ich es belassen (schmunzelt).

Thema Hobbys. Schieß los!

Klischeehafte Antwort?

Nein, bitte extravagant!

Bälle in den Garten der Nachbarin schießen, Golfbälle im Garten aufteen, Fußballspiele analysieren und Leute mit Wasserbomben bewerfen. Ach ja… Tischtennis, Tennis, Laufen, Skifahren und ab und an ein wenig Schreiben gehören auch noch zu meinem Repertoire an Hobbys. Auch Schach liegt mir ganz gut.

Wo schreibst du am liebsten?

Da gibt es zwei Orte. Sehr gerne im heimischen Garten und das natürlich am liebsten bei warmen Temperaturen… da kann es schonmal vorkommen, dass ich bis 02:00 Uhr nachts schreibe. Sehr gerne aber auch auf Mallorca, im Südosten der Insel. Ganz ungestört, mit Blick aufs Meer und den Gesang der Singzikaden im Ohr (grinst). 

Kannst du dir vorstellen weitere Bücher zu schreiben? Eine Fortsetzung von Seniorengold vielleicht?

Vorstellen kann ich mir vieles. Mein Ideenpool scheint momentan unerschöpflich zu sein. Ähnelt ein bisschen einem Feuerwerk. Die tatsächliche Umsetzung ist jedoch nie leicht. Um es mal vorsichtig auszudrücken und um deine Gier an Neugier zu stillen: Eine Fortsetzung von Seniorengold scheint am wahrscheinlichsten zu sein.

Wie wahrscheinlich?

49,13%

Also doch keine Fortsetzung?

Ist das Glas halb voll oder halb leer?

Wir müssen uns also überraschen lassen. Letzte Frage, zwei Parts. Senioren und Gold?! Was sagst du dazu?

Du hast dir die Fragen wirklich spontan ausgedacht oder (Felix wartet, bekommt keine Antwort und kann anschließend nur mit dem Kopf schütteln)? Senioren mag ich sehr gerne. Besonders Faktoten und ihre Monokel. Gold hat die Ordnungszahl 79, sein Aggregatzustand ist fest. Beides sind schöne Wörter. Google mal nach Komposition.

Werde ich machen. Vielen Dank für das Interview! Hat mich sehr gefreut!

Mich auch. Ich habe aber auch noch eine Frage.

Ach was?!

Du hast Seniorengold ja bereits auch schon gelesen. Wenn du das Buch mit einem Wort beschreiben müsstest, mit welchem Wort würdest du das tun?

Eccellente!

Mille grazie!